Schulen und Lehrer sind die entscheidenden Experten

LEHRER und SCHULEN leisten mit ihrem Engagement, ihrer Lernkultur, ihren Methoden und ihren Persönlichkeiten einen wesentlichen Beitrag zu Lernklarheit, Lernverständigung und damit zu Lernerfolg. Studien zeigen, dass folgende Aspekte erfolgreiches Lernen steuern:

Sinnvolle

Aufgaben

stärkende

Lern-Botschaften

Visualisierung von
Aufgaben & Gedanken

Transparenz
des Lernens



Begleitung &
Ermutigung


Zeit & Raum

zum Denken


bewußte
Lernklarheit


offene

Fehlerkultur


Anerkennung

Zahlensinn



Konzepte

erobern & lernen


Mathe im Team -

soziales Lernen


nützliches
Feedback


"geistige
Beweglichkeit"


Das alles heißt ...

  • sinnvolle Aufgaben - jeder Schüler braucht für sich genau die Aufgaben, die herausfordern und gezielt anregen. Die Aufgaben sollten dem Schüler helfen, sich im Thema zu orientieren, wichtige Einsichten zu gewinnen und sich weiter zu entwickeln. Gute Idee ist auch, Schüler wählen zu lassen aus möglichen Aufgaben oder eigene Ideen für interessante Aufgabenstellungen entwickeln zu lassen.
    Achtung: Kann ein Schüler auch ohne persönlichen Einsatz immer wieder erfolgreich "durch Schule schlittern", wird "Talent-Fixierung" gefördert.

  • stärkende Lern-Botschaften - nennen wir sie so, die kleinen, wichtigen Sätze: Schulen und Lehrer können mit Hilfe solcher Botschaften sehr erfolgreich führen. Eine Studie belegte außerordentliche Erfolge der Botschaft "Ich schreibe Dir dieses Feedback, weil Du wichtig bist und viel erreichen kannst!". Eine andere Studie zeigte, wie eine Schule ihre Schulkultur mobilisieren konnte durch das neue Motto "In dieser Schule kümmern wir uns um Dich und Deine Entwicklung, damit Du für die Zukunft Deiner Familie und Gemeinschaft sorgen kannst!". In einer anderen Schüler konnten die Kinder neuen Lerneifer entfachen, nachdem sie von "Ping" erfuhren: bei jeder Anstrengung wächst eine kleine weitere Hirnzelle und es macht leise "ping". Khan Academy analysierte die Online-Kurse und Erfolgsraten. Sie stellten fest, dass die eingestreute Lern-Botschaft "Denk dran: arbeite ausdauernd und werde klüger!" sich deutlich in besseren Kursergebnissen niederschlug.

  • die Visualisierung von Aufgaben, Situationen, Beziehungen und Lösungsmöglichkeiten fördern tiefes Nachdenken und fachlichen Austausch. Schüler sollten z.B. ihre Vorstellungen zu 1 : 2/3 bildlich darstellen und besprechen.

  • Transparenz - jeder Schüler muss wissen und verstehen
    - WAS ist das Thema, was soll gelernt werden?
    - WO stehe ich, was kann ich schon, was muss ich noch lernen?
    - WIE kann ich also weiterkommen, was muss ich als nächstes lernen, um das Thema zu beherrschen?

     

  • Ermutigung - Lehrer sollten auf das wertvolle "noch nicht" bestehen, wann immer Schüler sagen sie kann-das-nicht oder mag-das-nicht, sollten Lehrer ergänzen "NOCH nicht". Ein kleiner, aber mächtiger Ohrwurm. Und die wichtigste Lernbotschaft ist: "Ist es anstrengend oder schwierig? Befürchtest Du etwas Falsches? GUT, dann arbeitest Du an Deinem Hirn und Deinen Fähigkeiten und Du kannst wachsen!"

  • Zeit & Raum - Lehrer sollten betonen und vorleben, dass schnelles Lernen nicht gleich besseres Lernen ist. Oft ist es sogar das vermeintlich langsamere Lernen, durch das tatsächlich erst gelernt wird. ... übrigens, so erging es Einstein in der Schule Jahre lang; er schrieb er sei immer viel zu langsam gewesen und habe sich oft dumm gefühlt. Stellen Sie beispielsweise Fragen an die Klasse und lassen Sie wirklich alle Schüler überlegen, ggf. sogar ihre jeweiligen Ideen/ Antworten selbst aufschreiben, bevor sie einen Schüler bitten seinen Beitrag einzubringen. 

  • bewußte Lernklarheit - Lehrer können in der Klasse direkt über Lerneinstellungen und Lernklarheit diskutieren lassen. Schüler können die verschiedenen Anzeichen von Lerneinstellungen beschreiben und sich austauschen über Etwas, das sie gelernt haben und wie dies geschah oder über Etwas das sie selbst nicht konnten, aber dann doch prima lernen. 

  • Lehrer sollten eine gute Fehler-Kultur leben. Sie können über Fehler und ihre Rolle im Lernprozess sprechen und sie vor allem erlebbar machen. Dazu haben es sich folgende Ansätze bewährt:
    - Aufgaben stellen, die zu Versuch und Irrtum anspornen und Fehler mit sich bringen 
    - alternative Lösungswege diskutieren im Hinblick auf "Warum macht dieser Gedanke Sinn?" ..."und dieser auch?"
    - gemeinsam aus Einsichten in alternative Gedanken sowie in mögliche Fehlerquellen zu lernen und Zusammenhänge zu verstehen
    - Feedback entsprechend anpassen und Punkte für Reflexion und Korrektur geben

  • Kernkompetenz - der Kern der Mathematik ist nachgewiesenermaßen ein solider Zahlensinn. Setzen Sie gern immer wieder Übungen ein zur Entwicklung und Stärkung des Zahlensinns bei jedem einzelnen Schüler. Hierzu lohnt sich auch eine gezielte Beratung von Eltern, da passende Spiele zu Hause eine gute Begleitung sind.

  • Konzept-Lernen - diverse Studien zeigen uns, dass Mathe vor allem den Schülern über kurz oder lang schwer fallen muss, die ungeeignete Methoden bzw. Strategien verwenden; oft verharren sie auch bei größeren Zahlen immer noch beim zählenden Rechnen und nutzen dadurch viel aufwändigere und fehleranfällige Lösungswege. Bilden Sie Ihre Schüler dazu aus, mit Zahlen und Formen geschickt und flexibel operieren zu können. Setzen Sie weniger auf das auswendig lernen von Rechenprozeduren und dafür ausgiebig auf die Verständigung über Lösungswege, Zusammenhänge und die bildliche Darstellung.

  • Mathe im Team - in Mathe ist es immens wichtig, dass Austausch und Zusammenarbeit mehr denn je eingesetzt wird. Das Formulieren von Problemstellungen und Lösungsansätzen, das Hören verschiedenster Ideen, das Gegenüberstellen von Möglichkeiten, das Begründen des eigenen Verständnisses und Ansatzes - all das beflügelt das Erlernen von Zusammenhängen und Herangehensweisen. Mathe ist kreativ anzugehen, in der Auseinandersetzung mit Fragestellungen und den eigenen Gedanken dazu. Dies kann in der Gruppe mit beeindruckender Hebelwirkung erfolgen. 
    Vermeiden Sie die Einteilung in Leistungsgruppen. Studien zeigen, dass dies kontraproduktiv ist! Die Lernklarheit wird geschwächt, die Lehrer-Erwartungen passen sich an, die Herausforderungen sind reduziert und leider sind bis zu 30% der Zuteilungen in der Regel sogar falsch.

  • Feedback STATT Noten - Studien zeigen wiederholt, dass Noten zwar anspornen und eine klare Rückmeldung geben, sie das Lernen als solchem aber eher schaden. Nicht umsonst wehrt sich die Lehrerschaft selbst gegen die Bewertung ihrer Lehre mittels einer Zahl. Viel hilfreicher, sinnvoller und nachweislich wirksamer ist "individuelles Feedback". Studien belegen, dass Schüler mit gutem Feedback deutlich leistungsstärker werden als Schüler, die "nur" Noten erhielten oder auch Noten&Feedback erhielten. Offenbar spielt das erhaltene Feedback neben einer Note keine besondere Rolle mehr für Schüler. Sehr wertvoll ist auch Beurteilung/ Feedback untereinander.
  • Und der Mathematikdidaktiker Wolfram Meyerhöfer der Universität Paderborn fasst es so zusammen: "Ich plädiere dafür, nicht so sehr zu fragen, wie ein Verfahren funktioniert, sondern eher, warum es funktioniert. Dazu gehört auch Lösungsweg-vielfalt: Wie kann es noch funktionieren? Das Ergebnis ist hoffentlich geistige Beweglichkeit, bessere Rechenfertigkeiten, aber insbesondere eine bessere Fähigkeit einzuschätzen, in welchen Situationen Mathematik überhaupt hilft und welche Deutung das Resultat überhaupt zulässt."