Gut, wenn man drüber spricht!

Was wissen Schüler über ihr Hirn, seine Entwicklung, über Lernen? Was wissen Eltern und Lehrer darüber?

Ganz klar, viel zu wenig! Kein Wunder, es  wird auch kaum besprochen. Eine Schülerstudie* bestätigte dies kürzlich wieder, denn viele Schüler beschreiben das Hirn lediglich als "Container, in den ich Erinnerungen und Wissen abstelle". Das ist fatal, denn die eigene Vorstellung von Gehirn beeinflusst das Lernen! (* von Peter Marshall, Christina Comalli)

 

Wir brauchen Hirn-Aufklärung!

 

Das Wissen über unser Gehirn und seine Funktionsweise ist relativ jung. Es muss besser "verteilt" werden, da Studien zeigen, dass dies unser Lernen und damit unser Leben maßgeblich beeinflussen kann: in ihren berühmten Studien zeigte Carol Dweck (Stanford University), dass ein besseres Verständnis vom Gehirn beeindruckende Aha-Effekte und außerdem in Folge ein erfolgsversprechendes Lernverhalten mit sich bringt:

  • Schüler, die über das Hirn und seine Fähigkeiten zur Anpassung und Entwicklung unterrichtet worden sind, konnten messbar erfolgreicher lernen.
  • Sie gehen deutlich konstruktiver mit Fehlern und Niederlagen um.
  • Sie engagierten sich motivierter und ausdauernder für ihren Lernerfolg.
  • Ihnen war klar, dass Lernen erfolgreich sein kann und dazu sinnvolles, aktives Arbeiten entscheidend ist.

Die Empfehlung ist: Wir sollten früh beginnen, mit unseren Kindern über das Gehirn zu sprechen, über seine Aufgaben, sein reichhaltiges Wachstum, seine Möglichkeiten und Formbarkeit mit guter und stetiger Aktivierung. Auch über die wichtige Rolle von Übung, Fehlern und Anstrengung sollte ganz früh im Familienalltag, in Kindergärten, in Vor- und Grundschulen gesprochen werden. Und als Erwachsene sollten wir die Tatsache, dass Lernen gleich Hirnentwicklung ist, verinnerlichen und vorleben. So können wertvolle Wurzeln für erfolgreiches Lernen wachsen.

 

Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen "Mathe lernen" geht

Wir konnten unser Hirn beim Arbeiten bisher nicht beobachten. So konnten wir nur vermuten was unser Hirn alles kann und wie es funktioniert. So entstanden hinderliche Gerüchte z.B. über Mathe. Diese Zeiten sind aber vorbei. Mit modernen Technologien können wir unser Hirn seit einigen Jahren beobachten. Endlich beginnen wir zu verstehen, WIE wir lernen und wie wir ERFOLGREICH lernen. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse sind maßgeblich für erfolgreiches "Mathe lernen", für erfolgreiches Lernen überhaupt:

  1. Jeder kann erfolgreich Mathe lernen
  2. Das "Talent-Gerede" ist nachweislich falsch und schadet 
  3. Hirn und Hirnleistung wächst mit Lernanstrengung
  4. Schnellrechnen und Zeitdruck bremsen das Gedächtnis aus
  5. Matheleistung wird maßgeblich beeinflusst von Erwartungen
  6. Visualisierte Aufgabenstellungen sind besonders wirksam
  7. Prüfungen müssen hirn-freundlich sein
   ... hier weitere Einzelheiten dazu lesen

Hirnforschung beobachtet Wachstum und Arbeit des Hirns

Die modernen - sogenannten bildgebenden Technologien (v.a. MRT) - erlauben uns endlich, unser Hirn zu beobachten. Forscher konnten so in den letzten Jahren herausfinden, wie unser Hirn funktioniert, wie es sich entwickelt, wie wir lernen. Sie konnten sehen, wie eine Lernanstrengung Schritt für Schritt dazu führt, dass neue Verbindungen entstehen und diese beim weiteren Lernen stärker und leistungsfähiger werden. Es entstehen auf diesem Wege sogar neue Hirnstrukturen, die schließlich neue Fähigkeiten sowie Möglichkeiten begründen.


 

Natürlich, heute wissen wir auch mehr darüber, wie unser Hirn Zahlen und Mengen angeht:

  • Es gibt eine besondere Hirnregion im hinteren Teil beider Hirnhälften, die einen ganz besonderen Beitrag leistet zum Wahrnehmen und Verarbeiten von Mengen/Anzahlen: der intraparietale Sulcus (IPS). Sie ist vielseitig aktiv und sehr vernetzt.
  • Der IPS ist plurimodal, d.h. diese Hirnregion wird aktiviert über diverse Sinneskanäle bzw. benötigt die Zusammenarbeit mit ihnen. Umso effektiver ist ein Matheunterricht, der viele Sinne anregt und trainiert. Und umso entscheidender ist es, dass bereits Kleinkinder früh ihre spielerischen Erfahrungen sammeln ... mit Mengen, Größen, Formen, Zahlen, Schätzungen, Vergleichen und Zusammenhängen (zusammen- und auseinander"bauen") sammeln.
  • Der IPS ist vernetzt mit Neuronen, die insbesondere aktiv werden bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Größe und Raum/Lage.
    Umso wichtiger sind die kindliche, eigenständige Bewegung und das Spiel im Raum, über Entfernungen hinweg sowie mit Größen und Strukturen. Dies sind grundlegende Erfahrungen, die relevante Hirnregionen anregen und trainieren.
  • Aber: Mathematisches Arbeiten nutzt diverse, miteinander verschaltete Hirnbereiche. Daher ist es grundlegend wichtig, dass Kinder und Schüler reichhaltige Anregung erleben und die Ganzheit ihres Gehirns "trainiert" wird. Mathematik nutzt Hirnstrukturen, die sich auch für visuelle, räumliche, zeitliche, symbolische und sprachliche Fähigkeiten entwickeln.