MATHE LERNEN GEHT, natürlich!

Mengen, Zahlen, Symbole, Rechnungen ... gut verstehen und nutzen

Ja klar, dies manches Mal leichter gesagt als getan. Aber bitte, "ran an den Speck"! Es lohnt sich! Und besonders dann, wenn es gerade schwieriger ist, wenn Motivation und Durchblick schwächeln. Und hier Achtung, moderne Etiketten wie Rechenschwäche, Rechenstörung und Dyskalkulie werden manches Mal zu schnell vergeben. Die großen Aha-Effekte aus diversen Studien der Lern- und Hirnforschung sind:

  • Bereits Säuglinge zeigen natürlicherweise grundlegende mathematische Fähigkeiten ("Zahlensinn"), sie erkennen Mengen, Häufigkeiten und Veränderungen. Unsere Gehirne bringen also die biologischen Voraussetzungen für Mathe-Lernen natürlicherweise mit.

  • Kindergartenkinder erspielen sich entscheidende mathematische Basiskompetenzen (erste Erfahrungen bilden "Vorläuferfertigkeiten"). Das frühe schulische und weitere Mathe-Lernen baut hierauf auf. Es ist wie eine erste Fremdsprache zu lernen: neue Vokabeln, Symbole, Zusammenhänge, Möglichkeiten. Die gekonnte Begleitung in und durch die Welt mathematischer Ideen, Handlungen und Überlegungen ermöglicht, bereichert und verfeinert die Entwicklung ihrer mathematischen Einsichten und Kompetenzen.

  • Es gibt eine Hirnregion im hinteren Teil beider Hirnhälften, die einen besonderen Beitrag leistet zum Wahrnehmen und Verarbeiten von Mengen/Anzahlen: der intraparietale Sulcus (IPS). Sie ist vielseitig aktiv und vernetzt.
    • Der IPS ist plurimodal, d.h. diese Hirnregion wird aktiviert über diverse Sinneskanäle bzw. benötigt die Zusammenarbeit mit ihnen. Umso effektiver ist ein Matheunterricht, der viele Sinne anregt und trainiert. Und umso entscheidender ist es, dass bereits Kleinkinder früh ihre spielerischen Erfahrungen sammeln ... mit Mengen, Größen, Formen, Zahlen, Schätzungen, Vergleichen und Zusammenhängen (zusammen- und auseinander"bauen") sammeln.
    • Der IPS ist vernetzt mit Neuronen, die insbesondere aktiv werden bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Größe und Raum/Lage. Umso wichtiger sind die kindliche, eigenständige Bewegung und das Spiel im Raum, über Entfernungen hinweg sowie mit Größen und Strukturen. Dies sind grundlegende Erfahrungen, die relevante Hirnregionen anregen und trainieren.
    • Aber: Mathematisches Arbeiten nutzt diverse, miteinander verschaltete Hirnbereiche. Daher ist es grundlegend wichtig, dass Kinder und Schüler reichhaltige Anregung erleben und die Ganzheit ihres Gehirns "trainiert" wird. Mathematik nutzt Hirnstrukturen, die sich auch für visuelle, räumliche, zeitliche, symbolische und sprachliche Fähigkeiten entwickeln.

  • Es ist nicht leicht für einen Lernenden eindeutig zu sagen, wo die persönlichen Schwierigkeiten beim Mathe Lernen liegen, und warum eigentlich. Oft sind es keine inhaltlichen Defizite des Lernenden, Ursachen finden sich ebenso häufig in emotionalen Aspekten des Lernenden, einer ungenügenden Beschulung oder in manch einem Fall auch im privaten Umfeld. Zwei wichtige Beispiele ...
    • Erfolgreiche Lehrer zeigen, dass in ihrem Matheunterricht erfolgreicher Mathe erlernt wird, und das mit Spaß.
    • Alte Talent- und Rechnen-Mythen können Mathe-Lernen und die Leistungsfähigkeit behindern. Das gleiche gilt für die erkannte Mathe-Angst, die sich recht schnell entwickeln kann und sich manches Mal nicht so schnell auflöst.

WIE? Wie Mathe lernen können?

Ich bewundere sie, Jo Boaler! Als Mathe-Lehrerin, Mathe-Professorin, Forscherin und Autorin führt sie seit einigen Jahren eine große Revolution im Bereich Mathe Lernen an. Hier spricht sie über ihre gesammelten Eindrücke zum Thema mit deutschem Untertitel!


Wir konnten unser Hirn beim Arbeiten bisher nicht beobachten. Also konnten wir nur vermuten was unser Hirn alles kann und wie es funktioniert. So entstanden hinderliche Gerüchte z.B. über Mathe. Diese Zeiten sind aber vorbei. Mit modernen Technologien können wir unser Hirn seit einigen Jahren beobachten. Endlich beginnen wir zu verstehen, WIE wir lernen und wie wir GUT lernen. Nachdem die Forschungsgemeinschaft sich in den vergangenen 20 Jahren vor allem auf "Lesen Lernen" konzentriert hatte, haben Forscher in den vergangenen 10 Jahren zunehmend "Mathe Lernen und Lehren" studiert. Die folgenden wissenschaftlichen Erkenntnisse sind maßgeblich für erfolgreiches "Mathe lernen", für erfolgreiches Lernen überhaupt:

  1. Lernfreundliches Klima: Wir alle lernen Mathe und Jeder kann dabei erfolgreich sein, werden, bleiben
  2. Stop das "Talent-Gerede", es ist nachweislich falsch und schadet 
  3. Einsatz, aktiv sein! Hirn und Hirnleistung wächst mit Lernanstrengung, Knobeln, Grübeln, Dranbleiben
  4. Kein Schnellrechnen und Zeitdruck! Der Stress hemmt die für mathematische Aufgaben wichtige kognitive Leistungsfähigkeit 
  5. Gute Erwartungen und Ziele! Matheleistung wird maßgeblich beeinflusst von Erwartungen
  6. Zeichne! Die Visualisierung von Aufgaben und Ideen ist besonders hilfreich
  7. Hirn-freundliche Fehlergespräche und Prüfungen
   ... hier weitere Einzelheiten dazu lesen

Auf diesem Weg gibt es natürlich auch Hindernisse, denn nicht alles lernt sich wie von selbst und geradlinig. Manchmal braucht es hilfreichere Erfahrungen oder mehr davon, denn jedes Kind lernt auf dem eigenen Weg. Manchmal führen (unerkannte) Lücken oder Missverständnisse in die Sackgasse. Manchmal liegen die Schwierigkeiten am Lernumfeld. Manchmal sind es andere persönliche Aspekte, die Mathe im Wege stehen. Oder vieles mehr; nur selten hat ein Kind besondere und andauernde Schwierigkeiten damit Mengen oder/und Zahlen zu erfassen, zu verstehen bzw. mit ihnen umzugehen/ zu operieren (also eine sogenannte "Rechenstörung oder auch Dyskalkulie"). Wie Hindernisse also verstanden werden und zu welchem Zeitpunkt sie wie angegangen werden, ist sehr wichtig für das Wohlergehen, für die weitere Entwicklung des Kindes und die weitere Lernkarriere des Schülers. 

 

Und dann ist da noch "Rechenschwäche" und "Dyskalkulie" ...

Dies ist ein relativ neues und kompliziertes Thema. Hier mehr dazu ...